Ben Wittorf

Von Bauern, Strohhüten und dem Abverkauf

Woran ich mich manchmal so aus meiner Schulzeit erinnere — wie diese Geschichte, die ich im Deutschunterricht im Lehrbuch gelesen hatte, statt dem Unterricht zu folgen; über die ich immer wieder mal nachgedacht und sie nirgends gefunden habe.

Jedenfalls machte in dieser Geschichte ein Händler Urlaub in Südamerika.

Er traf dabei einen Bauern, der Strohhüte herstellte und verkaufte. Diese gefielen dem Händler so gut, dass er einen kaufen wollte und nach dem Preis fragte. Überrascht vom Preis, fragte er den Bauern, was er für zehn, für hundert oder sogar für tausend Strohhüte haben wollen würde. Und jedes Mal sank der Preis beträchtlich.

Zurück in der Heimat erzählte er seinem Chef davon, was für ein tolles Produkt dieser Strohhut sei, den sie selbst verkaufen könnten. Sein Chef wies ihn an, eine entsprechende Handelsbeziehung mit dem Bauern aufzubauen.

Als der Händler den Bauern erneut besuchte und wieder nach den Preisen fragte, aber diesmal auch für eine Million Strohhüte, antwortete ihm der Bauer mit einem viel, viel höheren Preis.

Der Händler fragte ihn irritiert, wie er denn auf diesen Preis kommen würde.

Der Bauer antwortete, dass er bei dieser Stückzahl nicht nur das ganze Dorf einbeziehen müsste, sondern dass das Dorf so wichtige Ernten verlieren würde. Dass danach die Plantagen verlassen und nutzlos wären. Und dass diese Summe deshalb dafür sorgen würde, dass danach niemand mehr arbeiten müsste.

Daraufhin verließ der Händler verärgert den Bauern, kehrte zurück und erzählte seinem Chef, dass der Bauer nicht wisse, wie Wirtschaft funktioniere und ihn dazu noch über den Tisch ziehen wollte.


Unterricht in Bonn in den 1990ern, nebenbei. Nun denn.