Ben Wittorf

Von Absichten und von Tatsachen

Die meisten Menschen reden in ihren Absichten und benutzen dafür Tatsachen. Ein paar wenige Menschen reden in Tatsachen, mit denen sie eine Absicht einfordern.1

Es ist deshalb sehr hilfreich, wenn du dich in einem Austausch fragst, ob deine Gesprächspartner:innen gerade grundsätzlich in Absichten oder in Tatsachen sprechen, damit du dir dann eine Strategie überlegen kannst: Absichten erlauben dir ein „sich darauf einstellen“ oder „damit umgehen“ — nur könntest und solltest du daraus keine Aufgabenliste erstellen. Tatsachen hingegen sind „handlungsfähig“ — und erlauben es dir, daraus konkrete Handlungen abzuleiten.

Zu Beginn der COVID-19-Pandemie zum Beispiel hatte eine Freundin von mir von ihrem Fitnessstudio eine Mail bekommen, in der es seine Situation darstellte: Das Chaos mit den fehlenden oder unvollständigen Verordnungen, wen es dafür alles kontaktiert hätte, und warum es dennoch keine Aussagen zum Training treffen könnte! Und so weiter.

Das war in einer Absicht kommuniziert: Das Fitnessstudio würde gerne wieder regulären Betrieb aufnehmen und alle Kurse anbieten, und darauf könnte sich meine Freundin einstellen. Sie konnte aus der Auflistung der Absicht unterstützenden Tatsachen allerdings keine Handlung ableiten und wusste genauso sehr wie vorher auch nicht, ob, wo und wann sie ihre Kurse buchen könnte.

Und natürlich gilt auch das Gegenteil: Wenn wir tatsächlich in Tatsachen sprechen und unsere Gesprächsparter:innen „die Absicht“ darin suchen, und wir mit weiteren Fakten statt mit Empathie darauf antworten, und so erst recht Öl ins Feuer gießen.

Wenn wir uns also vorab nicht darauf einigen können, worüber wir eigentlich wirklich sprechen, ob es vielleicht sogar mit einer Erwartung verbunden ist, finden besonders Gespräche mit einer Dringlich- oder Wichtigkeit meist ein emotional geladenes Ende.

Die Frage uns selbst gegenüber sollte deshalb auch sein: Geht es uns darum, unsere Absichten zu kommunizieren, oder darum, sie bei anderen einzufordern? Sag, was du meinst, und schau, was dein Gegenüber tut.

Gerade in politischen Diskursen müssen wir ohnehin aufmerksam sein, wenn in Absichten kommuniziert wird, besonders, wenn sie hinter Unwahrheiten getarnt als Tatsachen versteckt sind, weil sie oft darlegen, „was getan werden müsste, um diese Ziele zu erreichen“.

Fußnoten

  1. Oder „Fakten“. Und natürlich die Abwandlungen dazwischen und davon.